Hebammenwissen

Sissi Rasche Ein Kind zu bekommen war für uns drei Gründerinnen das größte Ereignis im Leben. Doch jede von uns hat die Geburt und die erste Zeit mit Kind anders erlebt. Als Hebamme möchte ich unbedingt allen mitgeben: Es ist ganz wichtig, wie wir starten und das können wir selbst beeinflussen – mit ein wenig Vorbereitung und Hilfe.

Uns beschäftigen vor und nach der Geburt so viele Fragen. Zum Beispiel, „Welche Ausstattung braucht unser Baby“, „Was muss es anziehen“, „Wie pflege ich es“ oder auch „Welche Rechte und Pflichten haben wir“ und „wie lange dauert der Mutterschutz?“.

Ein zentrales, aber leider immer wieder nicht ernst genommenes Thema ist: „Wie kommt die Mutter wieder auf die Beine?“. Alle, die mich als Hebamme kennen, wissen wie wichtig mir das Wochenbett ist. In Deutschland sind wir in der glücklichen Lage, dass es 8 Wochen geschützt ist. Damit die Frau wieder zu Kräften kommt.

Diese erste Zeit mit dem neugeborenen Kind ist zauberhaft und kehrt nie wieder zurück! Unseren Kindern steht ein ruhiger und sanfter Anfang in dieser oft sehr hektischen Welt zu. Mütter sollten sich verwöhnen lassen und für kurze Zeit vieles abgeben – ohne schlechtes Gewissen. Deshalb sollten wir das Wochenbett genauso vorbereiten wie eine Geburt.

Es geht darum Inne zu halten und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Denn dieses kleine reine Wesen, ein Teil von uns, braucht vor allem seine Eltern.

Eure Sissi

Was Ihr am Anfang wirklich braucht!

Am Anfang braucht es nicht viel, aber das Richtige. Wir haben für dich aufgelistet, was du wirklich brauchst, damit dein Baby gut ausgestattet ist. Überlege selbst, ob du eher häufig oder selten wäschst. Male dir die Situation aus. Zum Beispiel, dein Baby trägt eine Strumpfhose, eine ist in der Wäsche und die dritte trocknet gerade. Zwei wäre also zu wenig. Oder es ist Sommer.Trotzdem sind selten 25°C Außentemperatur. Meist ist es doch eher kühl, besonders abends. Entscheide für dich. In unseren Produktbeschreibungen geben wir dir auch Hinweise. Du hast trotzdem Fragen? Dann schreib uns hier direkt eine Nachricht.

Unsere Checkliste für die Erstlingsausstattung haben wir HIER für Dich zusammengestellt.

Ein magisches und erholsames Wochenbett!

Jede Geburt ist ein wundervolles Ereignis. Für Mutter und Kind ist sie dennoch ein äußerst kraftvoller Akt. Während der Schwangerschaft und Entbindung verbraucht die Frau sehr viel Energie. Auch das Stillen geht anfangs an die Substanz. Im Wochenbett findet die Mutter Ruhe und Zeit, um sich von der Geburt zu erholen. Sie muss zu Kräften kommen, um für ihr Kind da zu sein.

In Deutschland sieht das Gesetz 8 Wochen Mutterschutz nach der Geburt vor. So lange in etwa dauert  das Wochenbett. Es setzt sich aus Frühwochenbett und spätes Wochenbett zusammen. In den ersten 10 Tagen finden die meisten Rückbildungsvorgänge des Körpers statt. Alle Organe finden wieder an ihren alten Platz zurück. Die Hormone der Frau stellen sich um von Schwangerschaft auf Stillen. Diese Umstellung bedeuten, dass auch die Seele der Frau ihr Gleichgewicht wiederfinden muss.

Bleibt in eurer kleinen Höhle

Nicht nur Mutter und Kind, auch Vater und Geschwisterkinder müssen in der Familie ihren Platz finden und sich neu kennenlernen. Deshalb genießt eure Wochenbetthöhle. Auch wenn ihr der ganzen Welt Euer Glück zeigen wollt, vergesst die Welt da draußen! 

Um Entäuschungen zu vermeiden, hilft es im Vorfeld mit Familie und Freunden zu sprechen. Sie werden verstehen, dass die erste Zeit mit Baby heilig ist, wenn ihr es ihnen erklärt. So vermeidet ihr Stress, der nicht sein muss und den ihr erst bemerkt, wenn es zu spät ist.

Während die Mutter sich erholt, ist da ein sehr bedürftiger neugeborener Mensch, der alle Aufmerksamkeit verlangt. Das Neugeborene sucht Nahrung, Wärme, Schutz und Liebe. Nichts sollte das sogenannte Bonding stören, die Entwicklung der Bindung zwischen Kindern und ihren Eltern. Geborgenheit fördert nicht nur die Gesundheit des Babys, es stärkt und eint auch alle anderen Familienmitglieder.

Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme

Sofort nach der Geburt muss euer Baby sein Urvertrauen aufbauen und das heißt, die Eltern müssen seine Nahrung sicherstellen! Das  deutsche Wort dafür drückt es so schön aus- Stillen! Beruhigen und ernähren. 

Der enge Hautkontakt zwischen Mutter und Kind sowie das Saugen an der Brust sorgt für die Ausschüttung der Endorphine, die für die Milchproduktion wichtig sind. Stillen klappt nicht immer auf Anhieb und Mutter und Kind müssen es erst lernen. Die betreuende Hebamme hilft dabei, das Kind richtig an die Brust zu legen. Das Wochenbett sollte auch deshalb gut vorbereitet sein, weil Stresshormone die Milchproduktion beeinträchtigen. 

Lass Dich nicht entmutigen! Hebammen wissen wie es geht und helfen dir, das Baby anzulegen. Sie beraten dich bei allen Stillproblemen.

Mehr Informationen erhaltet ihr HIER beim Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen, HIER bei La Leche Liga oder HIER beim Hebammenverband.

Unterstützung durch Freunde und Familie 

Hilfe anzunehmen ist nicht immer selbstverständlich. Sollte es jetzt aber sein.  Klärt vorab, ob Freunde und Verwandte helfen können.  Bittet sie, eine selbstgemachte Kraftbrühe vorbeizubringen, Einkäufe zu erledigen oder mal die Küche aufzuräumen. Vielleicht wäre es auch schön, wenn sie etwas mit dem Geschwisterkind unternehmen? Manche warten nur darauf gefragt zu werden. Seid aber deutlich und klar, worum es geht. Dann könnt ihr euch gut erholen und habt nach dem Wochenbett alle Kraft euren Babyalltag zu meistern! Der Spruch “ es braucht ein Dorf um ein Kind groß zu ziehen“ kommt nicht von ungefähr.

Lesetipps:

Dannhauer, Kareen Guter Hoffnung – Hebammenwissen für Mama und Baby: Naturheilkunde und ganzheitliche Begleitung, September 2017. Das Buch gibt es HIER.

Loretta Stern, Anja Constance Gaca Das Wochenbett: Alles über diesen wunderschönen Ausnahmezustand. Für Mütter und Väter, 2016. Das Buch gibt es HIER.

Unterstützung durch Mütterpflegerinnen

Hilfe! Ja, die gibt es…

Zum erholsamen Wochenbett gehört auch, dass du dich zuhause wohl fühlst. Wenn keiner da ist, der helfen kann, sollten Eltern schon vor der Geburt eine Mütterpflegerin suchen. Klingt nach Krankenschwester, meint aber dass jemand einfühlsam und aufmerksam bei allem hilft. Wäscheberge und schmutzige Kochtöpfe verschwinden, die Mütterpflegerin zeigt der Wöchnerin aber auch, wie der Rücken entlastet wird.
Vor allem, wenn noch andere Geschwisterkinder da sind, die versorgt werden müssen, sollte man diese wertvolle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Kosten werden von den meisten Krankenkassen übernommen. Bei einer ambulanten oder einer Hausgeburt übernehmen die gesetzlichen Kassen in den  ersten 6 Tagen nach der Entbindung die Kosten bis zu 8 Stunden am Tag ohne ärztliches Attest. Darüber hinaus solltest du deinen Bedarf mit deinem Arzt besprechen und das heißt nicht, dass du erst Anspruch hast, wenn du krank bist.
Manche Frauen brauchen schon während der Schwangerschaft Unterstützung. Zum Beispiel wenn sie mit Zwillingen schwanger sind. Auch hier bieten die gesetzlichen Krankenkasse Leistungen an.du merkst erst nach der Geburt, dass Land unter ist? Auch dann bekommst du schnell Hilfe! Mütterpflegerinnen oder Haushaltshilfen fürs Wochenbett findest du über soziale Einrichtungen verschiedener Art, zum Beispiel HIER beim Verein für Mütter- und Familienpflege e.V.

Babys Haut & Pflege

Bitte kuscheln! 

Im Wochenbett erholen Mutter und Kind sich von der Geburt. Zeit, Haut an Haut zu kuscheln. Intensiver Hautkontakt vermittelt eurem Baby Sicherheit und Geborgenheit. Und das wirkt sich positiv auf die gesamte körperliche, soziale und psychische Entwicklung aus.

Die Haut, unser größtes Organ, schützt vor Umwelteinflüssen, beeinflusst die Sinneswahrnehmung und reguliert die Körpertemperatur. Ihre Schutzfunktionen entstehen erst in den ersten Lebensmonaten.
Die von Neugeborenen ist dünner als die von Erwachsenen. Deshalb können Krankheitserreger leichter über offene Hautstellen eindringen. Zum Beispiel, wenn der Po wund ist. Außerdem sind Talg- und Schweißdrüsen, das Unterhautfettgewebe und der schützende Fettfilm der äußeren Haut noch nicht entwickelt. Babys kühlen deshalb schneller aus. Ich empfehle deshalb immer Kleidung aus Schafswolle, Alpaka oder Kaschmir. Diese natürlichen Materialien sind temperaturausgleichend und geben Feuchtigkeit ab.

Wie pflege ich die Haut?

Grundsätzlich gilt für die Hautpflege: weniger ist mehr! Bei einer derart zarten Körperhülle ist nicht nur Babykleidung aus natürlichen Fasern gefragt. Pflegemittel sollten auch natürlich und frei von Schadstoffen sein. Benutzt sie anfangs erst mal nicht. Sie können die Haut nämlich austrocknen und zu Irritationen führen. Für die Haut des Babypos wäre eigentlich keine Windel am Besten. Deshalb tut es ihr gut, sie ein wenig an der Luft zu lassen.
Die tägliche Reinigung der Hautfalten ist sehr wichtig, damit es nicht zu Entzündungen kommen kann. Reinigt den Windelbereich mit einem weichen Waschlappen und Wasser. Er kann aber auch mit biologischen Mandelöl und einem Wattepad gesäubert werden. Feuchttücher sind gut für unterwegs. Wenn die Haut nicht entzündet ist, braucht sie auch keine Creme. Sollte sie sich dennoch röten, hilft eine Wundcreme, die dünn aufgetragen wird. Eure Hebamme gibt euch hierzu Tipps.

Sanfte Wellness

Ein Baby sollte 1-2 in der Woche bei 37.5 baden. Du kannst die noch leicht feuchte Haut mit Biomandelöl massieren. Am Anfang solltet ihr auf Badezusätze verzichten, später könnt Ihr Produkte mit Calendula oder Mandelöl auswählen.
Im Winter benötigt Dein Baby eine Pflegecreme mit hohem Fettgehalt aber ohne Wasseranteil, die den natürlichen Säureschutzmantel der Haut erhält. Achte auch darauf, dass die Creme keine Parfüme oder Zusatzstoffe enthält. Verwende nur so viel Creme, wie die Haut des Kindes problemlos aufnehmen kann. Creme deshalb lieber häufiger und benutze immer nur einen kleinen Klecks. Baden, eincremen und auch Windeln wechseln können innige Momente sein, in denen Babys sich durch sanfte Berührungen geborgen fühlen.

Gut vorbereitet und beraten

smartmama

Quelle: www.smartmamablog.de

Es gibt viele Fragen zu klären bevor das Kind da ist. Wie lange dauern Mutterschutz und Elternzeit? Wie viel Elterngeld bekomme ich? Darf mir während der Elternzeit gekündigt werden? Haben unverheiratete Eltern dieselben Rechte und Pflichten?
Es macht Sinn, Anträge für das Elterngeld und Kindergeld schon vor der Geburt vorzubereiten und zum Beispiel, wenn man nicht verheiratet ist, die Vaterschaft anzuerkennen. Erkundigt Euch vorab im Internet beim zuständigen Amt. Für diejenigen, die es aus verschiedensten Gründen nicht selbst können, gibt es Services, die gegen eine einmalige Gebühr den Antrag vorbereiten.

Lesetipp: Sandra Runge, Don’t worry, be Mami: Juristisches Know-how rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternsein

„In insgesamt 13 Kapiteln nehme ich dich an die Hand und erkläre dir auf 288 Seiten wie „Jura für Eltern“ funktioniert. Natürlich nicht in langweiligem Juristenblabla, das niemand versteht. Nein, jedes Kapitel ist eine Geschichte aus dem wahren Leben einer Anwältin zwischen Kind, Kita und Gerichtsaal – aufgehängt an einem bestimmten Rechtsthema. Neben den Klassikern Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld geht es auch um das Sorge- und Unterhaltsrecht, wie du deinen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz geltend machst und was du über die Aufsichtspflicht wissen solltest. Zwischendurch findest du graue Kästchen mit den wichtigsten Infos, Tipps und Tricks. Und ganz zum Schluss gibt es einen Musterteil mit den weiterführenden Links, Checklisten und Mustertexten.“ Sandra Runge, Rechtsanwältin und Bloggerin

Das Buch gibt es HIER direkt online zu bestellen. Zum Blog von Sandra Runge geht es HIER.